20.04.2023|Trends in Production

Unternehmerische Resilienz

In der Publikation «Zehn Thesen zur Zukunft digitaler Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 in der Post-Corona-Ökonomie» der Plattform Industrie 4.0 heißt es: „In einem nie gekannten Ausmaß fordert die COVID-19 Pandemie Politik, Gesellschaft und Wirtschaft heraus. Ihre Auswirkungen sind derart einschneidend, dass sie von Unternehmen und Arbeitswelt nicht nur kurzfristiges Krisenmanagement, sondern vor allem die Entwicklung strategischer Handlungsoptionen für die Zukunft verlangen.“  In diesem Zusammenhang ist eine organisationale Kraft wieder in den Blickpunkt gerückt, die lange in der Wissenschaft ein Schattendasein geführt hatte: Die Resilienz. Dies gilt insbesondere für die Prozesskette der Unternehmensproduktion nach dem Modell der industriellen Fertigung.

Alles bleibt anders

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DMG MORI setzt auf dem Weg zur Fertigung der Zukunft über die Digitalisierung hinaus auch auf einen perfekten Fit mit der Automatisierung für maximale Resilienz und Nachhaltigkeit. 

Laut dem Thesenpapier der Plattform Industrie 4.0 gehört die Resilienz von Wertschöpfungsnetzwerken zu den neuen zentralen Zielgrößen der industriellen Digitalisierung. Sie ergänzt damit die „herkömmlichen Ziele operationaler Effizienz und strategischer Differenzierung wie Individualisierung, Flexibilität und Nachhaltigkeit“. Zudem werde Resilienz zum Treiber der Entwicklung zukünftiger Anwendungen der künstlichen Intelligenz, heißt es weiter.

Der Begriff "Resilienz" stammt aus dem Lateinischen resalire (zurückspringen). In der Psychologie wird der Begriff seit den 1950er Jahren verwendet und meint die Fähigkeit von Menschen, sich von Rückschlägen zu erholen. In der Physik versteht man unter Resilienz die Belastbarkeit eines Materials, die sich an der Fähigkeit bemisst, Energie aufzunehmen, ohne zu brechen. In der Wirtschaft versteht man unter Resilienz die Fähigkeit zur Anpassung und Innovation.

„Für Unternehmen misst Resilienz die Fähigkeit und die Geschwindigkeit, mit der sie nach einer Störung mit hoher Auswirkung und geringer Wahrscheinlichkeit zu ihrem normalen Leistungsniveau zurückkehren können“, erklärt Yossi Sheffi, Professor am Massachusetts Institute of Technology, in seinem 2005 erschienenen Buch „The Resilient Enterprise“.
An der grundlegenden Definition hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Ziel ist es, in jeder Situation schnell und flexibel reagieren zu können, unabhängig davon, ob es sich um interne oder externe Veränderungen handelt. Was sich aber verändert hat: Diese Störungen treten in immer kürzeren Intervallen auf und verbreiten sich zudem rasant innerhalb global vernetzter Lieferketten und zwingen Unternehmen auch in der Produktion zu immer schnelleren Reaktionszeiten.

Resilienz als Reaktion auf den Wandel

Heute bekommen Unternehmen die Auswirkungen volatiler Märkte und eines immer schnelleren technologischen und sich stetig verkürzender Produktlebenszyklen zunehmend zu spüren, auch der Wettbewerbsdruck steigt weiter. Unter dem Einfluss von sich immer schneller ändernden Umweltbedingungen verlieren traditionelle Planungsstrategien und bestehende Entscheidungsmuster zunehmend an Gültigkeit und Wirkung. Die Folge: Ineffizienzen, verpasste Termine, Beschaffungsengpässe, Probleme bei der Nachverfolgung und fehlende Dokumentationen von Lieferungen et cetera. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Auch die Corona Pandemie zeigte, dass traditionelle Methoden zur Aufrechterhaltung des Produktionsbetriebs in Ausnahmesituationen an ihre Grenzen stoßen. Dies macht deutlich, dass zukünftig ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich ist, um auf unvorhergesehene Ereignisse jederzeit angemessen reagieren zu können. 

Resilienz wird in dieser Welt zu einem zentralen Erfolgskriterium. Die Umsetzung von widerstandsfähigen Strukturen wird es Unternehmen in Zukunft, besonders in Krisen- oder Chaoszeiten, ermöglichen, ihre Aktivitäten trotz außergewöhnlicher Umstände reibungslos fortzuführen und damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit leisten.